Der ehemalige Marathonläufer über sein eBike
Interview mit Viktor Röthlin

Erzähl uns ein bisschen was über dich. Wie sieht dein Alltag aus und wo findet das eBike seinen Platz? Was bedeutet das eBike für dich?
Viktor: Seit meinem Karrierenende 2014 arbeite ich zu je 50% für meine eigene Firma VikMotion und Ochsner Sport. Dabei dreht sich vieles um Bewegung und natürlich insbesondere auch um den Laufsport. Mittlerweile sitze ich aber auch ziemlich gerne, wenn ich mich bewege und so trifft man mich häufig auch auf dem Bike an. Zudem betreue ich OL-Läufer Matthias Kyburz als Laufcoach. Matthias ist nicht nur ein unglaublich begabter Orientierungsläufer, er ist auch ohne Karte sehr schnell und erfolgreich unterwegs.
Da die Strecke des Olympiamarathons in Paris im letzten Jahr ziemlich coupiert war, haben wir dies auch in den Trainingsläufen von Matthias simuliert. Dabei kam ich mit meinem «normalen» Bike so ziemlich ans Limit. Also schaffte ich mir ein eBike an. Neben den Trainingsbegleitungen von Matthias, fand ich dann sehr schnell Spass am eBiken. Denn durch die Unterstützung bergauf kann ich in der Regel nun in der gleichen Zeit doppelt so viel runterfahren, wie vorher mit meinem normalen Bike.
Seit 2024 bist du als Trainer von Matthias Kyburz tätig und greifst für gewisse Trainingseinheiten aufs eBike zurück. Welchen Mehrwert bringt dir das eBike? Inwiefern macht das eBike dich zu einem «besseren» Trainer?
Viktor: Setzte ich mein eBike während der Olympiavorbereitung von Matthias vor allem im coupierten Gelände ein, so benutze ich es nun auch bei flachen Einheiten. Der Motor ist aber nicht immer eingeschaltet. Aber wenn ich Matthias zum Bespiel bei einer Intervalleinheit pacen will, dann hilft mir der Motor, die exakte Geschwindigkeit noch etwas genauer einzuhalten, als wenn ich ohne Motor unterwegs sein würde. Zudem kann ich zum Beispiel auch eine Verpflegung beim Longrun vom Strassenrand aus simulieren und nach erfolgter Flaschenübergabe bin ich dann sofort wieder bei ihm. Ab und zu begleite ich auch mehrere Athleten. Dank dem Motor ist es da einfacher für mich, wenn sich die Gruppe gegen Ende des Trainings jeweils auseinanderzieht. So kann ich mich zum Beispiel für eine Verpflegung zurückfallen lassen und bin dann doch relativ schnell wieder vorne mit dabei.

Als ehemaliger Spitzensportler ist der Sport allgemein natürlich ein wichtiger Bestandteil in deinem Leben. Läufer sind aber meistens nicht Mountainbiker (und umgekehrt). Wie bist du zum (e)Mountainbiken gekommen?
Viktor: Man traf mich schon während meiner Aktivzeit regelmässig auf dem Mountainbike an. Je näher dann jeweils der Hauptwettkampf kam, desto laufspezifischer trainierte ich dann aber. Ein Bikekollege von mir hatte dann mal die Idee ein eMTB zu testen. Die Challenge, wer von uns beiden am Ende der Tour noch mehr Akkulaufzeit hatte, war natürlich Motivation genug den Motor nur ganz gezielt bei schwierigen Bergaufpassagen einzusetzen. Der Fun-Faktor von «noch mehr downhill als zuvor» war dann natürlich der perfekte Booster, sich immer wieder mal ein eMTB auszuleihen.
Wenn dir jemand sagt, eMountainbike (eMTB) sei gar kein richtiger Sport, wie reagierst du?
Viktor: Dann lade ich diese Person ein, mit mir auf eine Tour zu kommen. Danach wird diese Person nie wieder einen solchen Satz von sich geben.
Auch im Spitzensport hat sich eMTB über die letzten 5 Jahre einen Namen gemacht. Wie stehst du dazu? Welche Aspekte vom eMTB (Cross Country oder Enduro) sprechen für dich dafür, dass es sich wirklich um Spitzensport handelt?
Viktor: Dank der Unterstützung des Motors können deutlich weitere Strecken gefahren oder die Durchschnittsgeschwindigkeit erhöht werden. So gewinnt schlussendlich immer noch die Person, die technisch am besten fährt und am fittesten ist. Und somit kann man auch beim eBike-Sport von wirklichen Wettkämpfen sprechen.

Könntest du dir vorstellen selber mal an einem eMTB-Rennen teilzunehmen? Wärst du eher der Enduro- oder der Cross Country-Fahrer?
Viktor: Nein, das Thema mit der Startnummer habe ich am 17.08.2014 bei meinem letzten Marathon als Profiläufer abgeschlossen.
eMTB versus Bio-MTB: Wie stehst du dazu? Kommt bei dir auch das Bio-MTB zum Einsatz oder setzt du voll auf das eMTB?
Viktor: Ich setze nach wie vor beide Bikes ein. Tendenziell wird der eMTB-Anteil aber immer grösser.
„Die Distanzen werden länger, die Zeiten bleiben gleich. Mit dem Effekt, dass ich in meiner Freizeit deutlich mehr Fun beim Runterfahren habe, als früher ohne eMTB.“
Welcher ist für dich der ultimative «Feel the Flow»-Moment?
Viktor: Ich auf meiner Heimrunde mit Start in Ennetmoos, über den Mueterschwandenberg, auf dem Singletrail runter zum Kernwald, über all seine Trails quer durch das Felssturzgebiet zurück zum Ausgangspunkt - und erst jetzt setze ich meinen Fuss wieder auf dem Boden ab.