Nach 24 Jahren endlich wieder im Bikepark
Nach 24 Jahren zurück im Bikepark – und anschließend mit Danny MacAskill über die Alpen: Tarek Rasouli hat mit seinem Bowhead eBike eine Geschichte geschrieben, die zeigt, wie viel möglich ist, wenn man die eigenen Grenzen immer wieder neu definiert.

Tarek ist in der Mountainbike-Szene kein Unbekannter. Bereits schon einige Jahre nach seinem schweren Unfall war er regelmäßig mit einem Handbike rund um München unterwegs. Richtige Bikepark-Trails zu fahren, blieb für ihn jedoch lange Zeit ein weit entfernter Traum. Nach 24 Jahren konnte er diesen im Sommer 2026 im legendären Whistler Bikepark Realität werden lassen.

Doch Whistler sollte erst der Anfang sein. Gemeinsam mit Danny MacAskill stellte er sich der nächsten Herausforderung: einer Alpenüberquerung auf seinem neuen Bowhead, einem adaptiven Mountainbike mit E-Antrieb. Neun Tage, unzählige Höhenmeter und technische Trails später war klar: Dieses Abenteuer war weit mehr als eine Bike-Tour. Im Interview erzählt Tarek, was ihn antreibt, wie sich das Fahren mit einem Spezialrad wie dem Bowhead über die Jahre verändert hat, was Whistler für ihn bedeutet und wie es dazu kam, dass er gemeinsam mit Danny MacAskill die Alpen überquerte.
Tarek, was sollte man über dich wissen, bevor wir über dein neues eBike und deine Alpenüberquerung mit Danny MacAskill sprechen?
Nach vielen Jahren auf dem BMX war ich Mitte der 90er und Anfang der 2000er Jahre einer der ersten europäischen Freeride-Mountainbiker. Weltweit waren wir da noch eine sehr kleine Gruppe an Pionieren auf diesem Gebiet. 2002 habe ich mir dann in Kanada beim Training für einen Filmdreh die Wirbelsäule gebrochen. Seitdem bin ich im Rollstuhl. Anfangs habe ich mich nur mit Reha und mit dem Start einer beruflichen Karriere beschäftigt. Zuerst als freier Journalist beim Bike Magazin und dann habe ich 2005 meine Agentur Rasoulution eröffnet, spezialisiert auf Markenkommunikation im Bikebereich. Für mich begann das neue Biken mit reiner Armkraft, als ich das erste Mal ein Handbike ausprobierte. Die Bewegung und das Erlebnis haben mir von Anfang an Spaß gebracht, allerdings war ich immer etwas limitiert: Ich war immer an befestigte, asphaltierte Straßen gebunden und Steigungen über 12 % waren eine reine Qual. Im Frühjahr 2024 habe ich dann ein Bowhead RX mit der Performance Line CX bekommen und seitdem hat sich mein Leben auf dem Bike super positiv entwickelt. Ich kann nun mit mehr Freunden als vorher fahren, das Bike ist vollgefedert mit MTB-Bereifung, und durch den Bosch Antrieb komme ich sogar steile Berge über 20 % und auch mal auf Gravel hoch. Das ist unglaublich schön und trotz der E-Unterstützung kann ich noch immer meine Fitness trainieren – Kraft und Ausdauer sind auch auf dem neuen Bike gefragt.
Nach 24 Jahren bist du mit deinem neuen Bowhead erstmals wieder auf Trails gefahren: Wie kam es dazu? Und wie hat es sich angefühlt?
Ich hatte mich zwar schon letztes Jahr das ein oder andere Mal auf ein paar Mountainbike-Trails versucht, aber vor einem richtigen Bikepark hatte ich immer Respekt. Gerade British Columbia ist ein spezieller Ort für mich, da ich dort im Juli 2002 in Sun Peaks verunglückt bin. Dann ziemlich genau 24 Jahre später habe ich mich überwunden, um zum ersten Mal wieder in einem richtigen Bikepark zu fahren und das auch noch in Whistler, wo ich tatsächlich im Jahr 2000 das erste Mal im Bikepark unterwegs war. Jetzt im Sommer 2026 war ich ziemlich geflasht, in der Gondel nach oben zu sitzen. Ich hatte aber Gustavo „Guga“ Ortiz von Bowhead als Support dabei. Am Trailhead war ich aufgeregt, begeistert und spürte, dass es ein ganz besonderer Tag für mich werden würde.
Was war größer – die Vorfreude oder der Respekt vor dem ersten Trail?
Oh, das war eigentlich 50/50, wobei die Vorfreude auf die anstehende Abfahrt mit dem neuen Bowhead RX dann doch etwas überwogen hat.

Wie war die erste Abfahrt für dich?
Zuerst brauchte ich natürlich etwas Zeit, um mich einzufahren und wirklich wohlzufühlen. Ich bin Guga hinterher und wir sind den Crank It Up Trail gefahren. Anfangs war ich noch etwas verhalten, doch dann hatten wir direkt eine Sprungsession bei der Joyride Skill Area und ich habe mehr und mehr Gefühl für das Bike und Airtime bekommen. Danach sind wir weiter auf dem Crank It Up Trail gefahren und dort kamen ein paar Jumps und das war tatsächlich richtig spaßig – so ein Gefühl von Freude auf dem Bike durfte ich mehr als 24 Jahre nicht erleben, aber da war es wieder – ich war komplett geflasht.
Wie bist du zu deinem neuen eBike gekommen? Was macht das Bike besonders?
Ich habe mitbekommen, dass die 2. Generation von Bowhead gelauncht werden sollte und da für September 2026 mein Transalp-Projekt mitsamt Bikepark-Zwischenstopps auf dem Plan stand, wollte ich dafür natürlich die bestmögliche Technologie. Nach einigen Gesprächen mit Bowhead, Bosch und einigen weiteren Partnern war klar, dass das klappt. Das Besondere an dem Bike ist ein neues Federungssystem, die sogenannte MoFlo Federung mit mehr Federweg – 115 mm statt bisher 75 mm. Zudem taucht der Dämpfer beim Bremsen weniger ein, sodass man auch während des Bremsens die Traktion behält. Außerdem habe ich nun vorne zwei 24 Zoll Laufräder, was das Bike besser über Wurzeln rollen lässt als die bisherigen 20 Zoll Laufräder. Hinten ist ein 27,5er Laufrad verbaut.
Das Bowhead ist mit dem Bosch Performance Line CX ausgestattet. Was bedeutet der Antrieb für dich ganz konkret – gerade bergauf und auf langen Touren?
Die Performance Line CX Gen 5 hat im Vergleich zu meinem ersten Bowhead RX ein Update mit mehr Power, was mir speziell beim Beschleunigen, zum Beispiel bei Jumps, hilft und mich natürlich auch bei den längeren Anstiegen der Transalp stärker unterstützt! Bei der Etappe zum Timmelsjoch habe ich die Unterstützung des Motors in der eBike Flow App sogar um ein paar Nm runtergeregelt. Mein Freund Mark Skarupa, der uns schon in Sölden und dann hoch zum Timmelsjoch begleitet hat, fuhr noch das Bowhead RX der ersten Generation mit dem etwas schwächeren Motor – und ich wollte lieber, dass wir gemeinsam hochkurbeln. Außerdem habe ich nun zwei 750 Wh Akkus und somit noch mehr Reichweite als bei meinem ersten Bike. Das hilft mir speziell auch bei langen Touren wie bei der Transalp. 100 km am Tag und über 1.200 Höhenmeter geht jetzt, ohne zwischendurch zu laden!
„So ein Gefühl von Freude auf dem Bike durfte ich mehr als 24 Jahre nicht erleben, aber da war es wieder.“
– Tarek Rasouli

Du bewegst ein vergleichsweise schweres Bike und erzeugst den Vortrieb hauptsächlich mit deinen Armen. Wie entscheidend ist die Unterstützung des Motors dabei?
Ja, das Bike hat inklusive Akkus rund 45 kg. Ich kurble mit den Armen, jedoch könnte ich dieses Bike ohne Motor weder bergauf fahren noch in der Ebene längere Zeit fortbewegen. Die Unterstützung durch den Motor ist für jeden essenziell, der ein geländetaugliches adaptives Mountainbike fahren will.
Was muss ein Handbike können, damit du ihm auf einem Trail wirklich vertraust?
Ich bin bisher außer den Bowheads kein adaptives Mountainbike für Trails gefahren, aber mit deren Technologie bin ich super zufrieden. Die Kinematik der Front ermöglicht, dass du dich in die Kurven reinlegen kannst – die Vorderräder und der Sitz neigen sich parallel mit. Das sorgt für Wendigkeit, Traktion und dass du in den Kurven nicht rausfliegst. Außerdem sind die Bremsen super wichtig, am besten sind Downhill-Bremsen. Dann ist der richtige Hinterreifen wichtig und selbstverständlich spielt der richtige Motor für mich eine extrem große Rolle. Mit der Performance Line CX Gen 5 bin ich sehr happy. Einfache Bedienbarkeit, bei Bedarf Zusatzleistung bei starken Anstiegen, eine erhöhte Dynamik und die zwei großen Akkus für eine Reichweite von 120-150 km je nach Höhenmetern.
Was glaubst du, hätte der Tarek von vor 24 Jahren gesagt, wenn er dich heute auf dem Bowhead durch einen Bikepark hätte fahren sehen?
Wow, das sieht abgefahren aus, und der scheint auch richtig Spaß zu haben!
Du hast mit diesem Bike nicht nur Whistler erlebt, sondern bist damit anschließend sogar über die Alpen gefahren. Ab wann hast du gemerkt: Dieses Bike kann deutlich mehr, als einfach nur einen Trail zu bewältigen?
Vor meinem ersten wirklichen Bikepark-Ride in Whistler bin ich nur Straße und Gravel gefahren, bis auf zweimal davor, wo ich einfachere Trails ausprobiert habe. Steile Steigungen auf Trails oder Gravel sind auf jeden Fall spannend und machen auch richtig Spaß, das kannte ich so vor dem Bowhead noch nicht. Aber dass es auch relativ gut zum Springen geht, wie ich es in Whistler bei der Joyride Skill Area erlebt habe, hatte ich nicht gedacht. Dort hatte ich mit Guga eine kleine Jump-Session und es ging relativ gut, sogar mit Lenker reindrehen und einem ähnlichen Gefühl wie früher auf dem Mountainbike.
Wie kommt man eigentlich auf die Idee, mit Danny MacAskill eine Alpenüberquerung zu machen?
Danny und ich arbeiten seit über 17 Jahren zusammen. Wir haben schon sehr viel zusammen erlebt – ich habe ihn auf so manche Videodrehs begleitet, zu diversen Events und wir haben privat viel Zeit verbracht. Und seit ich mein Bowhead habe, wollte er mit mir ein Abenteuer machen. Als ich ihm erzählt habe, dass ich gerne die Alpen überqueren möchte und gefragt habe, ob er Lust hat, das zusammen zu machen, war er sofort dabei. Wir haben dann bereits im Oktober 2025 auf den lake.bike Trails bei Villach einen ersten Testride zusammen gemacht. Da hat sich gezeigt: Das könnte funktionieren.
Ihr seid beide absolute Bike-Persönlichkeiten – aber mit ziemlich unterschiedlichen Arten, Fahrrad zu fahren. Wie war es, neun Tage gemeinsam unterwegs zu sein?
Es war ein Abenteuer mit viel Spaß, immer wieder mal Schmerzen und Herausforderungen, mehr natürlich für mich, aber Danny war super. Bergauf war er natürlich flotter, aber da wollte ich auch nicht, dass er nur gemütlich nebenher rollt, daher habe ich auch Gas gegeben. Bergab bin ich dann oftmals schneller gerollt, zumindest auf den Straßen runter vom Timmelsjoch oder auch mal bei Gravel-Downhills. Im Bikepark war es natürlich eine Challenge für mich, aber mit Danny hat es sich immer nach Spaß angefühlt und in gewisser Weise auch sicher, denn er hat mich nicht gepusht, über meine Grenzen zu gehen, sondern ihm war gefühlt alles daran gelegen, dass wir einfach zusammen Spaß haben und heil unten ankommen.
„Ich wusste nicht, ob ich diese Art von Abenteuer jemals schaffen würde, da ich mich im Vorfeld immer wieder gesundheitlichen Herausforderungen stellen musste.“
– Tarek Rasouli
Eine Alpenüberquerung ist für viele Mountainbiker eine enorme Herausforderung. Was war für dich die größte Herausforderung?
Als Erstes musste ich natürlich fit sein wie jeder andere auch, das bedeutet eine für mich intensive Vorbereitung, die immer noch in mein Arbeitsleben reinpassen muss. Gleichzeitig darf ich auch nicht über meine Grenzen gehen, das kenne ich ja schon aus meiner Vergangenheit. Zum Beispiel werden meine Beine schon bei Außentemperaturen unter 15 Grad sehr kalt, daher brauche ich wirklich warme Hosen und warme, wasserdichte Schuhe. Dann sind lange Sitzzeiten unter Belastung auf dem Bike auch eine große Herausforderung. Ich wollte die Transalp eigentlich schon im Frühjahr 2025 angehen, doch damals hatte ich mich nicht genügend vorbereitet und hatte mir kurz vor dem Antritt der Reise eine Druckstelle zugezogen. Statt der Transalp lag ich dann auf der Couch. Dieses Jahr lief zuerst alles besser, ich bin sehr viel gefahren und fühlte mich fit. Doch dann kam erneut eine kleine Druckstelle. Ich bin bis zum Start der Tour nicht mehr aufs Bike gestiegen und war unsicher, ob ich die Transalp wirklich antreten kann. Doch wir sind dann letztendlich nach Plan gestartet.
Ihr seid von München nach Riva del Garda gefahren. Was war der Moment, an dem du gemerkt hast: „Wir schaffen das wirklich“?
Eigentlich dachte ich das schon, als wir in Sölden angekommen sind. Das Bikepark-Fahren in der Bike Republic hat mir etwas Mut und Rückenwind gegeben. Auch der Gedanke, dass es nach dem Timmelsjoch in Südtirol und im Trentino wesentlich wärmer werden sollte, hat geholfen. Natürlich war der Anstieg zum Timmelsjoch ordentlich lang, aber bergauf fahren macht mir auch immer Spaß und fordert mich in meiner Ausdauer, was ich gerne mag.

Was passiert emotional, wenn man nach neun Tagen in Riva ankommt und weiß: Das, was jahrelang nur ein Traum war, ist tatsächlich passiert?
Bei der Ankunft ist mir ein großer Stein vom Herzen gefallen. Ich wusste nicht, ob ich diese Art von Abenteuer jemals schaffen würde, da ich mich im Vorfeld immer wieder gesundheitlichen Herausforderungen stellen musste. In Riva wurde mir dann klar, dass Danny und ich zusammen meinen Traum realisiert haben, einmal mit dem Bike über die Alpen von München an den Gardasee zu fahren. Das war unglaublich schön und tatsächlich war es dann ein ziemlicher Gefühlsausbruch, voller Glück, Erleichterung und Erschöpfung. Vielleicht war ich da sogar ein klein wenig stolz, dass ich es trotz all der Schwierigkeiten im Vorfeld geschafft habe.